The C64 Mini - Vorstellung und Test

2018, nochmals 13 Jahre nach dem C64DTV, über den ich hier berichte kommt der The C64 Mini heraus. Sozusagen das Nachfolgemodell mit verbesserter Grafikausgabe, USB-Ports und eingebauter Final Cartridge. Hier stelle ich den C64 Mini kurz vor und bewerte die Funktionen und Spiele.


Nun sind es mittlerweile 36 Jahre her, seit ich 1983 meinen ersten 64 hatte. Natürlich in der klassischen Brotkastenform. Nach ZX-81 und VC-20 war das meine dritte Rechnergeneration und zur damaligen Zeit ein echtes Prachtstück, das mich jahrelang begleitete, ehe er durch den Amiga abgelöst wurde. Der C=64 war der Rechner, auf dem ich Basic und Assembler gelernt habe und auf dem ich natürlich die eine oder andere Stunde spielenderweise verbracht habe.

2005 dann habe ich mir den C64DTV zugelegt, sozusagen ein C64 in einem Joystick; den ich kräfitg umbaute und mit extra Joystick-Ports für meinen alten Competition Pro, einem Tastaturanschluss (PS/2) und einem Netzteilanschluss ausrüstete. Die dort installierten 30 Spiele sorgte für Retro-Athmosphäre und ich glaube hier schaffte ich dann auch das erste Mission Impossible.

Das der C64 einfach nicht tot zu kriegen ist, beweist das neueste Stück C64-Emulator-Hardware, der The C64 Mini.







Dieser kommt nicht mehr mit FBAS-Analog-Videoausgang, sondern mit kristallklarem HDMI-Output von 1280x720. Das ist eigentlich viel zu viel, denn mehr als 320x200 Pixel kann der C64 auch im HiRes-Modus nicht liefern. Trotzdem profitiert der The C64 Mini von der höheren Auflösung. Denn Spielebeschreibung und Screenshot im Auswahlmenü sind hochauflösung und die Schrift damit ohne Treppchen zu lesen. Der Stereo-Sound wird ebenfalls über HDMI transportiert und hat eine entsprechend gute Qualität. Alles digital eben.

Statt mit Batterien, wie der C64DTV wird er über ein Handy-Ladegerät (Micro-USB, nicht im Lieferumfang enthalten) mit Strom versorgt und er verfügt über 2 USB-Ports und einen kleinen Taster zum Ein- und Ausschalten.



Als erstes fällt das knuffige, kleine Gehäuse auf, dass im Brotkasten-Stil des klassischen C64 daherkommt, nur mit 20 x 10 x 3 cm sehr viel kleiner als das Original. Das Gehäuse schmückt eine detailreich gestaltete Tastatur, die allerdings nicht funktionsfähig ist, sondern nur ein Hingucker. Da werden Erinnerungen wach.


(von links nach rechts: The C64 Mini, C64DTV, Competition Pro USB von Speedlink, Competition Pro Original aus den 80ern)

Mitgeliefert wird außerdem ein Joystick, der sehr dem des C64DTV ähnelt. Auch er ist dem Competition Pro - der Joystick-Legende von damals - nachempfunden, hat aber zusätzlich zwei Dreickeckstasten auf der Joystickbasis und 4 kleinen Funktionstasten davor.

Er spielt sich in etwa wie der des C64DTV, vielleicht ein bisschen besser. Hier wurden leider keine Mikroschalter, die ein charakteristisches Kicken liefern würden, verbaut, sondern etwas anderes. Es fühlt sich an, wie Gumminoppen. Sicherlich werden die nicht an die Präzision oder Langlebigkeit eines Original Competition Pros oder eines Speedlink Competition Pros herankommen, aber trotzdem fand ich, dass sich damit präzise genug spielen ließ. Ein Vorteil bleibt der "Gummi-Steuerung" aber: sie ist viel leiser. Mich stört das Geklicke nicht sonderlich, aber es gibt da ja unterschiedliche Geschmäcker. Den C64DTV-Joystick, der wohl ähnlich aufgebaut ist, habe ich übrigens auch nach Stunden nicht kaputt gespielt gehabt.

Eine gute Nachricht vorweg: Die Entwickler bei Retrogames Ltd. haben mitgedacht, und so lassen sich auch die Tasten eines Competition Pro USB von Speedlink nutzen, um die wichtigen Funktionen zu bedienen, die normalerweise den vier kleinen Tasten vorne vorbehalten sind. Die wichtigen 3 Tasten liegen dann halt nur anders beim Competition Pro USB: So lässt sich mit Competition Pro USB auch ein Spiel anhalten, speichern und wieder laden und die virtuelle Tastatur aufrufen und Tasten eingeben. Das muss ich loben, dass hier an die Spieler gedacht wurde und nicht Profitgier im Vordergrund stand, um die eigenen Joysticks zu verkaufen. Meine Empfehlung ist klar der Competition Pro USB von Speedlink - der ist präziser und wird sehr viel länger halten. Und kostet auch nicht mehr.

Die Inbetriebnahme des The C64 Mini ist schnell getan: und schon landet man im Auswahl-Karussell

Hier kann man mit Joystick links/rechts eines der vorinstallierte 64 Spiele spielen:
  • Alleykat
  • Anarchy
  • Armalyte - Competition Edition
  • Avenger
  • Battle Valley
  • Boulder Dash
  • Bounder
  • California Games
  • Chip's Challenge
  • Confusion
  • Cosmic Causeway
  • Creatures
  • Cyberdyne Warrior
  • Cybernoid: The Fighting Machine
  • Cybernoid II: The Revenge
  • Deflektor
  • Everyon's a Wally
  • Firelord
  • Galencia (ab V1.20)
  • Gribbly's Day Out
  • Hawkeye
  • Heartland
  • Herobotix
  • Highway Encounter
  • Hunter's Moon
  • Hysteria
  • Impossible Mission
  • Impossible Mission II
  • IO
  • Jumpman
  • Mega Apocalypse
  • Mission A.D.
  • Monty Mole
  • Monty on the Run
  • Nebulus
  • Netherworld
  • Nobby the Aardvark
  • Nodes of Yesod
  • Paradroid
  • Pitstop II
  • Ranarama
  • Robin of the Wood
  • Rubicon
  • Skate Crazy
  • Skool Daze
  • Snare
  • Speedball
  • Speedball 2 - Brutal Deluxe
  • Spindizzy
  • Star Paws
  • Steel
  • Street Sports Baseball
  • Summer Games II
  • Super Cycle
  • Temple of Apshai Triology
  • The Arc of Yesod
  • Thing Bounces Back
  • Thing on a Spring
  • Trailblazer
  • Uchi Mata
  • Uridium
  • Who Dares Wins II
  • Winter Games
  • World Games
  • Zynaps
Zu jeden Spiel erhält man eine kleine Bescchreibung und ein paar Screenshots, so dass man altbekannte Spiele gleich wiedererkennen kann.

Der Start / das Laden der Spiele geht sehr schnell vonstatten, müssen diese doch nur aus dem Flash-Speicher des C64 mini geladen werden. Ewige Wartereien auf das Diskettenlaufwerk gibt es hier nicht mehr.

Unten gibt es noch ein paar Einstellungen, etwa um eine Röhrenmonitorsimulation einzuschalten. Damit erscheinen dann die für Röhrenmonitore charakteristischen dünnen horizontalen Linien, was wohl das besondere Retro-Feeling aufkommen lassen soll. Ich persönlich halte da nicht viel von und nehme lieber komplette Pixel.

Außerdem kann man hier noch die Sprache der Beschreibungen und das Tastaturlayout (deutsch, amerikanisch etc.) einstellen. Denn man kann eine USB-Tastatur anschließen und damit dann z. B. im Basic-Interpreter Listing eingeben. Mit den vielen grafischen Sonderzeichen, die der C64 zu bieten hatte, wird man allerdings Schwierigkeiten haben, diese sind auf keiner PC-Tastatur zu finden.

Unter Systeminformationen findet man übrigens nicht nur die Info, welche Firmware gerade installiert ist, sondern auch die Gelegenheit eine neue zu installieren. Aktuell ist derzeit V1.2 und ich kann nur empfehlen, diese zu installieren, wenn man noch V1.0.x auf de Mini hat, denn dann kann man auch eigene C64-Spiele nachladen - ein Traum.

Dazu muss man sich nur die neueste Firmware von https://retrogames.biz/support/upgrade downloaden, auf einen USB-Stick ins Hauptverzeichnis packen und dieses Menü besuchen. Dann wird das Firmware-File erkannt und kann installiert werden. Nach einem kurzen Neustart ist man dann auf dem neuesten Stand.

Während eines Spieles kann man übrigens jedeszeit die Taste D drücken. Das Spiel pausiert dann und man kann es speichern und gespeicherte Spiele neu laden:

Diese kleine Tasten bietet so viel Mehrwert. Jetzt kann man jedes Spiel zu jedem beliebigen Zeitpunkt pausieren, bis zu vier Speicherstände pro Spiel anlegen und wieder laden. Wenn man bei den doch oft sehr schwierigen Spielen einmal stirbt, kann man einfach einen alten Spielstand laden und es nochmal versuchen.

Ich weiß noch, wie wir früher eine Level nochmal und nochmal gespielt haben, bis wir endlich an diesem einen fiesen Gegner vorbeigekommen waren, nur um kurz darauf auch noch das letzte Leben an einer anderen Stelle zu verlieren und dann wieder ganz von vorne anfangen zu müssen. Das war manchmal ganz schön frustrierend. Zwar war man damals dann umso stolzer, wenn man es schlussendlich doch ganz durchgeschafft hatte, aber heute mag sich die Quälerei wohl keiner mehr antun - ist man doch inzwischen von PC-Spielen, Auto-Speichern, niemals-wirklich-sterben und derlei verwöhnt und "verweichlicht".

Mit dem The C64 Mini und diese tollen Funktion kann man dann vielleicht doch endlich mal ein Spiel zu Ende bringen, bei dem man auf dem original C64 so oft gescheitert ist. Früher ging das zwar auch schon, aber bedurf extra Hardware wie The Final Cartridge, die nicht gerade billig war. Der C64 Mini hat so eine Cartridge schon eingebaut.

Selbstredend laufen alle 64 bereits installierten Games einwandfrei, aber wie sieht es mit der Kompatibilität von nachladbaren Spielen aus? Ich habe ein paar Stichproben gemacht und die Spiele, die ich versuchte, liefen alle zu meiner Zufriedenheit. Probleme hatte ich lediglich bei ein paar Demos neueren Datum. Die wollen allerdings auch noch das allerletzte aus dem C64 herausholen und wenden dazu "schmutzige" Tricks an.

Die Entwickler haben sich zum Thema Kompatibilität aber auch so einiges einfallen lassen. So gibt es eine Reihe von Optionen die man im Filenamen oder in einem Textfile angeben kann, um ein Programm doch noch zum Laufen zu bringen. Ich gebe zu, diese nicht alle ausprobiert zu haben, und evtl. hätte auch schon das Umstellen von PAL auf NTSC etwas gebracht. Die allermeisten Programme scheinen aber zu laufen.

Ich habe an dem C64 Mini viel Freude. Das man eigenen Spiele von USB-Stick laden kann und die Spiele-Pause/Speichern/Lade-Funktion (die sogar mit nachgeladenen Spielen funktioniert) macht das Teil wirklich zu einer universellen Maschine, die mich meinen Original C64 nicht vermissen lässt. Nur fand ich den ursprünglichen Preis von 80 Euro etwas happig und konnte mich nicht dazu druchringen, soviel Geld auszugeben. Aber als Gamestop vor kurzem ein Angebot zu unglaublichen 20 Euro inkl. Versand hatte, da musste ich natürlich zuschlagen. So dachte wohl auch viele andere, denn nach wenigen Stunden war der C64 Mini ausverkauft.

Das einzige, was man mit dem C64 Mini vielleicht nicht kann, ist das eingeben von Listings per Tastatur, so wie man das früher auf dem C64 gemacht hatte. Nehmen wir zum Beispiele diese Listing aus dem Original C64-Benutzerhandbuch



Hier wird man sich extre schwer tun, die Sonderzeichen Herzchen oder inverses ] einzugeben, da diese Zeichen einfach nicht auf der Tastatur vorhanden sind. Auf einem Original C64 war das kein Problem. Jede Taste war mehrfach belegt und diese Zweit- und Drittbelegungen auf die Vorderseite der Tasten aufgedruckt.

Doch auch hier hat Retrogames schon etwas in Planung: Den The C64 Maxi, der wohl bald auf den Markt kommen soll, allerdings für stolze 120 Euro, dafür aber mit: Erwartet wird das neue Modell zum Weihnachtsgeschäft 2019.

Und hier noch ein Video, in dem ich den The C64 Mini und seine Spiele und Funktionen vorstelle:



Let's Plays

Außerdem werde ich ein paar Games erneut spielen und ein Let's Plays dafür aufnehmen. So könnt ihr noch einen tieferen Einblick in die hier vorgestellten Spiele nhemen.

Die entsprechenden Videos werde ich hier nachfolgend aufführen und die Liste immer wieder ergänzen, wenn wieder ein Spiel dazu gekommen ist.


Let's Play Paradroid: Ich spiele das 1985 für den C64 erschienene Spiel Paradroid auf dem The C64 Mini noch einmal durch, bzw. besser gesagt, bis das erste Schiff komplett von Droiden gesäubert ist, denn Paradroid kennt kein Ende - man spielt das selbe Schiff wieder und wieder.


Let's Play Impossible Mission: Ich spiele das 1983/84 für den C64 erschienene Spiel Impossible Mission auf dem The C64 Mini einmal komplett durch, wobei das Zusammenpuzzlen der Lochkarten-Schnipsel mehr Zeit in Anspruch nimmt, als mir eigentlich lieb ist.


Let's Play Impossible Mission II: Ich spiele das 1988 für den C64 erschienene Spiel Impossible Mission II auf dem The C64 Mini komplett durch, nunja: fast - bis auf den letzten Raum. Aber seht selbst.


Let's Play Boulder Dash: Ich spiele das 1984 für den C64 erschienene Spiel Boulder Dash auf dem The C64 Mini komplett durch, also alle 16 Hauptlevel und die 4 Bonuslevel. Manche davon sind ganz schön knackig.


Let's Play Jumpman: Ich spiele das 1983 für den C64 erschienene Spiel Jumpman auf dem The C64 Mini (fast) komplett durch, an ein paar Level komme ich nicht ran, weil das Spiel an einer gewissen Stelle abstürzt.


Let's Play Spindizzy: Ich spiele das 1986 für den C64 erschienene Spiel Spindizzy auf dem The C64 Mini. Spindizzy ist ein sehr schwieriges Spiel, in dem man einen Kreisel durch Labyrinthe und über Schrägen führen muss, um Juwelen zu sammeln und Räume zu kartografieren.


Let's Play Anarchy: Ich spiele das 1987 für den C64 erschienene Spiel Anarchy auf dem The C64 Mini. Anarchy ist eine Mischung zwischen Ballerspiel und Puzzle. Oft muss man die Blöcke nämlich in einer bestimmten Reihenfolge abschießen.